“Warum ist Social Networking Software so interessant?”
Meine Vision ist die unsichtbare Integration “sozialer” oder “kontaktfördernder” Software in tägliche Anwendungen.
Was bedeutet das?
Es geht eben nicht nur um eine Plattform wie Linked-In, openBC oder Plaxo, die dafür sorgt, dass man sich nicht gegenseitig aus den Augen verliert oder hilft, eine e-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu finden. Nicht um ein Adressbuch. Nicht um einen Terminkalender.
Es geht um einen “Layer”, eine softwargestützte Schicht im eigenen sozialen Netzwerk, die dessen Nutzung zu jeder Zeit und an jedem Ort ermöglicht.
Dieser Layer macht eine Plattform für bestimmte Aufgaben nicht notwendigerweise überflüssig, die Plattformen kümmern sich um bestimmte Themen – die die sie am besten können. Das persönliche Netzwerk aber funktioniert eher wie eine Peer-to-Peer Lösung – egal mit welchem Client man kommuniziert, die persönlichen Informationen sind irgendwo verfügbar (siehe auch FOAF).
Hier einige Beispiele: – Der Softwarelayer “authentifiziert” sozusagen e-Mails oder auch voice-messages die man bekommt. Nur wenn ein mehr oder weniger enger Kontakt innerhalb des eigenen Netzwerkes den Sender der Mail (bzw. dessen E-Mail-Adresse) gespeichert hat, sieht es das eigene E-Mail-Programm nicht als Spam an. Ja, das gibt es bereits heute, z.B. von Absendern im Adressbuch, aber noch nicht über “six degrees” hinweg – funktioniert also nicht mit vermeindlich Fremden. – Es integriert sich nahtlos in alle benutzen Endgeräte, vom e-Mail übers Handy bis zur intelligenten Haussoftware. – Die Software organisiert automatisch. Zu wichtigen Business-Events macht es eine Vorschlagliste, wen man unbedingt einladen sollte – auch die Kontakte der eigenen Kontakte – für die das Thema interessant sein könnte. Die Gästeliste für den nächsten Geburtstag stellt sie auch automatisch zusammen. – Die persönlichen Informationen sind nicht an irgend eine Plattform gebunden, man muss sie nicht jedes mal wieder eingeben sondern sie sind in einem sicheren, dezentralen Netzwerk hinterlegt, zudem man nur persönlich die Kontrolle hat (vgl. das Konzept von Freenet). Die Plattformen, die Mehrwertdienste bieten, können über ein Standardprotokoll (vgl. z.B. FOAF) darauf zugreifen, wenn du es ihnen erlaubst. Die Plattform bekommt vielleicht noch nicht mal die Daten zu Gesicht. Nur der virtuelle Gegenüber.
Man hat plötzlich das, was Google für Sachthemen ist, für einzelne Personen – ohne die Privatsphäre eines einzelnen einzuschränken – oder einem Spammer eine Chance zu lassen.
Es gibt natürlich auch kritische Punkte: – Damit alle sekundären Anwendungen tatsächlich funktionieren, ist ein möglichst weit verbreiteter Standard notwendig. – Alles was ich persönlich anonym tun will, muss ich auch weiter anonym tun können. Ansonsten wird meine Privatsphäre zu weit eingeschränkt. – Die kulturelle Entwicklung muss so weit gediehen sein, dass der normale Benutzer bzw. der DAU (dümmster anzunehmender user) nicht nur einfach damit klar kommt sondern auch das System bzw. die Mechanismen verstanden hat. Dementsprechend muss wohl die Software auch so gut integriert sein, dass der benutzer gar nichts dabei merkt.
[Update:]
Nicht ungewöhnlich, das das Handy ähnliche Gedanken heraufbeschwört.
[...] Da passt mal wieder was in meine Vision: Die unsichtbare Integration “kontaktfördernder” Software in tägliche Anwendungen. [...]
[...] Ich liebe es, wenn Vorhersagen schneller eintreffen als man denkt… [...]
[...] Für die große Social Networking Vision über einzelne Webseiten hinaus ist eine sichere Authentifizierung von Nutzern das A und O. Google scheint neben anderen (z.B. Sxip, eBay’s PayPal und natürlich auch Microsoft) dabei natürlich auch mitmischen zu wollen, schreibt Dystopics. Aber Vorsicht, sehr technisch! (via ZDNet.com) Michael Raich | Networking | | Artikel drucken [...]
[...] Die Vernetzung innerhalb eines sozialen Gefüges ist sicherlich ein Grundbedürfnis des Menschen. Aber am Ende geht es jedem Einzelnen um den Nutzen, den er daraus zieht (dem Sammlerinstinkt einiger mal ausgenommen). Wie mit jeder neuen Idee, wird sich nach der ersten Phase der reinen Plattformen eine Integration vollziehen. Entweder sie finden einen konkreten Nutzen für seine User – wie z.B. MySpace die Entdeckung neuer Musik zum Kern machen könnte – oder sie werden unsichtbar, eine Zwischenschicht, die ihren Dienst im Hintergrund verrichtet um alltägliche Dinge leichter zu machen. David Hornik bringt es wunderschön auf den Punkt in seiner kurzen aber treffenden Anthropologie zum Begriff der Social Networks: I believe that we are now in Social Networks 3.0. After a fair bit of excitement and energy around pure play social networks, it became clear that the building and management of a social network was not, in and of itself, a compelling consumer experience. In a nod back to the earliest instantiations of social networking, entrepreneurs have come to realize that social networks are enablers of other compelling consumer experiences. [...]