Vor knapp 5 Jahren hielt ich die langsam entstehenden Social Networks noch für eine kurzfristige Modeerscheinung für New-Economy-Opfer, die im allgemeinen Jammern auch geschäftlich Halt bei den ehemaligen Kollegen, Partnern und Kunden suchten.
Mittlerweile wurde ich eines besseren belehrt. Eineinhalb Millionen können nicht irren, oder?
Aber ist die Zeit denn schon reif für einen Börsengang? Lässt sich das Ertragspotential wirklich darstellen? Wo ist die Vision, wenn das Finden alter Kontakte langweilig wird?
Die OPEN Business Club AG versucht es nun als eines der ersten Web 2.0 Unternehmen in Deutschland.
Auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen habe ich überlegt, ob dieser Schritt sinnvoll ist.
Dies stellt natürlich weder ein Angebot zu Kauf noch eine Beratung hinsichtlich eines möglichen Investments dar. Wer sich in ein Unternehmen einkaufen will, sollte sich tunlichst selbst schlau machen.
2. Werbepotential:
1,45 Millionen Benutzer, Frequenz im Schnitt nur knapp über 1x
95 Millionen Pageimpressions pro Monat
Da findet sich aktuell sicherlich ein Potential von 1-2 Mio. Euro pro Monat durch gezielte Werbung.
Die Resonanz der Mitglieder darauf bliebe allerdings ungewiss.
3. Zusatzangebote:
WIe bei LinkedIn lassen sich mittelfristig durch geziehlte Erweiterungen wie Jobbörse, Kommunikationsangebote oder geschlossene Benutzergruppen mit angepassten Services zusätzliche Erlöse erzielen. Bis dahin werde ich wohl weiterhin gefragt, welchen Nutzen ich überhaupt aus meiner Xing-Mitgliedschaft ziehe.
Und das ist meiner Ansicht nach ganz schön mutig.
Selbst bei konservativem Wertansatz muss die momentane Wachstumsrate von ca. 20% pro Quartal auch die nächsten 5 Jahre gehalten werden, um auch nur die Untergrenze der Valuation zu erreichen. Und die ist in letzter Zeit gesunken. Ist der Markt schon bald gesättigt? Insbesondere wenn LinkedIn mit einem deutschsprachigen Angebot kommt?
Wie reif sind die anderen 15 Märkte? Reif genug für 5 Mio. zahlende Mitglieder?
Was wiederum mindestens 30 Mio. angemeldete Benutzer weltweit bedeutet. Also letzten Endes eine Frage des Potentials. Der vergleich zum angelsächsischen Markt: LinkedIn – dort die Nummer 1 – konnte bis dato knapp 8 Millionen begeistern.
Wenn man einer Studie glauben darf, ist ein Viertel schon organisiert. Bleiben also 4 Mio. in Deutschland, vielleicht je 20 Mio. in Europa und Nordamerika. Bleibt die große Unbekannte China. Der Name wurde ja bereits von openBC auf Xing geändert. Es wird schwierig werden.
In der Zwischenzeit lässt sich sicher mit geziehlter Werbung, Jobbörsen und ähnlichen Add-ons einen schnellen Euro machen.
Am Ende des Tages sucht der Businessnutzer aber immer nach dem Mehrwert dieses Marktplatzes. Wie viel davon nach dem ersten Hype übrig bleibt, ist schwierig vorherzusagen. Und dies in großem Volumen in bereits besetzte Märkte zu transportieren bleibt ohne den Mythos des “first movers” mehr als fraglich.
Die Bewertung lebt angesichts dieser Voraussetzungen meiner Meinung nach eher vom Hype.
[...] Michael Raich analysiert auf dem gleichnamigen Blog die Marktaussichten und die Bewertung von OpenBC/Xing: Der Web 2.0 Härtetest: openBC – jetzt XING - geht an die Börse [...]
[...] Zur Analyse von Michael Raich >> [...]
hallo michael,
mit dem sehr ausführlichen eintrag hast du endlich mal licht ins dunkle gebracht. bei solchen summe, die da veranschlagt bzw. gehandelt werden klappt mir gerade ehrlich gesagt die kinnlade ein wenig runter
hoffen wir mal, dass es nich zu einer blase 2.0 wird.
viele grüße marc
Ganz nette Zusammenstellung. Habe mir da auch schon so meine Gedanken gemacht, bzw. mir dieses IPO-Dokument angeschaut. Da steht dann auch drin, dass openbc seinem chinesischem Partner eine halbe Mio geliehen hat, um das China-Geschäft anzuleiern. Gehen die etwa an die Börse, um sich frisches Geld zu besorgen, dass dann in die hochriskanten Wachstumskampagnen gesteckt wird? Wo es doch in China schon ein ähnliches Netzwerk gibt? Weiß nicht, ob ich denen meine Spargroschen anvertrauen kann…
[...] Allerdings ist dieses Angebot nicht selbstlos. Michael Raich (toller Name) hat in seinem Blog eine erste Analyse vorgenommen: Aber ist die Zeit denn schon reif für einen Börsengang? Lässt sich das Ertragspotential wirklich darstellen? Wo ist die Vision, wenn das Finden alter Kontakte langweilig wird? [...]