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Der Web 2.0 Härtetest: openBC - jetzt XING - geht an die Börse

Posted By Michael Raich On 28th November 2006 @ 23:04 In Money Trail | 5 Comments

Vor knapp 5 Jahren hielt ich die langsam entstehenden Social Networks noch für eine kurzfristige Modeerscheinung für New-Economy-Opfer, die im allgemeinen Jammern auch geschäftlich Halt bei den ehemaligen Kollegen, Partnern und Kunden suchten.

Mittlerweile wurde ich eines besseren belehrt. Eineinhalb Millionen können nicht irren, oder?
Aber ist die Zeit denn schon reif für einen Börsengang? Lässt sich das Ertragspotential wirklich darstellen? Wo ist die Vision, wenn das Finden alter Kontakte langweilig wird?

Die OPEN Business Club AG versucht es nun als eines der ersten Web 2.0 Unternehmen in Deutschland.

Auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen habe ich überlegt, ob dieser Schritt sinnvoll ist.

Dies stellt natürlich weder ein Angebot zu Kauf noch eine Beratung hinsichtlich eines möglichen Investments dar. Wer sich in ein Unternehmen einkaufen will, sollte sich tunlichst selbst schlau machen.


Ertragspotential


1. Premiummitglieder:
Heute 190.000 bezahlende (5,95 EUR / Monat) +23% pro Quartal
Umsatz: im GF 05/06 (31.7.06): 6 Mio. EUR
Unter Beibehaltung der Wachstumsrate eine Umsatzverdoppelung alle 12 Monate möglich.
Dazu muss Xing aber:
  • den Anteil von schlappen 13% zahlenden Mitgliedern gewaltig steigern,
  • die Anzahl der Gesamtmitglieder die nächsten 5 Jahre jeweils verdoppeln,
  • den Ertrag pro Mitglied – durch zusätzlichen Mehrwert – erhöhen.

2. Werbepotential:
1,45 Millionen Benutzer, Frequenz im Schnitt nur knapp über 1x
95 Millionen Pageimpressions pro Monat
Da findet sich aktuell sicherlich ein Potential von 1-2 Mio. Euro pro Monat durch gezielte Werbung.
Die Resonanz der Mitglieder darauf bliebe allerdings ungewiss.

3. Zusatzangebote:
WIe bei LinkedIn lassen sich mittelfristig durch geziehlte Erweiterungen wie Jobbörse, Kommunikationsangebote oder geschlossene Benutzergruppen mit angepassten Services zusätzliche Erlöse erzielen. Bis dahin werde ich wohl weiterhin gefragt, welchen Nutzen ich überhaupt aus meiner Xing-Mitgliedschaft ziehe.

Bewertung des Unternehmens


Geplanter Börsenerlös von 100 Mio. EUR bei 25-49% der Anteile.
Das würde eine Bewertung von 200 bis 400 Mio. für das Unternehmen bedeuten.

Und das ist meiner Ansicht nach ganz schön mutig.

Selbst bei konservativem Wertansatz muss die momentane Wachstumsrate von ca. 20% pro Quartal auch die nächsten 5 Jahre gehalten werden, um auch nur die Untergrenze der Valuation zu erreichen. Und die ist in letzter Zeit gesunken. Ist der Markt schon bald gesättigt? Insbesondere wenn LinkedIn mit einem deutschsprachigen Angebot kommt?

Wie reif sind die anderen 15 Märkte? Reif genug für 5 Mio. zahlende Mitglieder?
Was wiederum mindestens 30 Mio. angemeldete Benutzer weltweit bedeutet. Also letzten Endes eine Frage des Potentials. Der vergleich zum angelsächsischen Markt: LinkedIn – dort die Nummer 1 – konnte bis dato knapp 8 Millionen begeistern.
Wenn man einer Studie glauben darf, ist ein Viertel schon organisiert. Bleiben also 4 Mio. in Deutschland, vielleicht je 20 Mio. in Europa und Nordamerika. Bleibt die große Unbekannte China. Der Name wurde ja bereits von openBC auf Xing geändert. Es wird schwierig werden.

Businessmodell


Ich glaube heute noch, Social Networks funktionieren nicht ohne inhärenten Nutzen. Deshalb wird Xing die größten Chancen haben, wenn Sie sich zur zentralen Plattform im Hintergrund entwickeln, die mit “social network services” für andere Content- und Serviceanbieter ihr Geld verdient. So wie das heute SalesForce.com mit ihrem ASP-Modell macht.

In der Zwischenzeit lässt sich sicher mit geziehlter Werbung, Jobbörsen und ähnlichen Add-ons einen schnellen Euro machen.

Fazit


Networking ist wichtig, keine Frage. Und openBC macht es mit seinem frischen, leicht zugänglichen Ansatz im Virtuellen einfacher als je zuvor. Sie schaffen einen Markt für ungezwungene Kommunikation auf geschäftlicher Ebene. Als erster in Europas größtem Sprachraum haben Sie gute Chancen, zumindest lokal zu dominieren.

Am Ende des Tages sucht der Businessnutzer aber immer nach dem Mehrwert dieses Marktplatzes. Wie viel davon nach dem ersten Hype übrig bleibt, ist schwierig vorherzusagen. Und dies in großem Volumen in bereits besetzte Märkte zu transportieren bleibt ohne den Mythos des “first movers” mehr als fraglich.

Die Bewertung lebt angesichts dieser Voraussetzungen meiner Meinung nach eher vom Hype.


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